KEIN KUMPANEI-VERKAUF AN BERGGRUEN
KEIN KUMPANEI-VERKAUF AN BERGGRUEN
Für RA-Kosten & Andere-Kosten gegen Berggruen :

Plakat-Dieb:

Dieses bekannte Plakat wurde gestohlen

von  Nicolas Bergruen

Holdings ,

des Hr. Nicolas  Berggruen

dem Asset Manager bekannten  

Hr. Marku* Braun* abreißen

lassen & wurde anschließend gestohlen !

 

BEWEISE:

Das haben zwei Zeugen gesehen +

Foto´s mit Kennzeichen des Fahrzeuges +

Dunkeles Fahrzeug mit polizeilichen

Polnisches Kennzeichen CAL 36 VC !!!

 

Dies wurde zur Polizeilichen Anzeige gebracht,

wegen Sachbeschädigung + Diebstahl des Plakates.

Nicolas Berggruen(-Video) ist zum Kotzen & bis zur 23 min. vorspulen...
Auf der Karibik-Insel-Tortola versteuert Nicolas Berggruen Holdings GmbH =0€...
Blender oder Spender?
Der Sammler Heinz Berggruen
Als der Kunsthändler, Kunstsammler und Journalist Heinz Berggruen am 23. Februar 2007 starb, ordnete Berlin Trauerbeflaggung für seinen Ehrenbürger an. Dieser hatte 2000 für 253 Millionen Euro seine Sammlung klassischer Moderne an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz verkauft - ein Schnäppchen. Jetzt ist eine Biografie über Heinz Berggruen erschienen, die den Kunstmäzen in ein negatives Licht rückt - und die polarisiert.
Picasso, Klee, van Gogh, Matisse - 165 Bilder der klassischen Moderne, eine atemberaubende Sammlung, die Heinz Berggruen gehörte und seine Passion war. "Diese Bilder und ich, wir sind wie eine Wohngemeinschaft", sagte Berggruen 2004.
Keine wirklich neuen Fakten
Die Berliner verehrten ihren "Philanthropen", ihren "Kunstwohltäter", weil er ihnen 2000 seine Sammlung vermacht hatte - für 253 Millionen Mark. Ein Geschenk, ein Glücksfall, so dachte man damals. Berggruen und Berlin - eine Liebegeschichte der Superlative. "Was haben wir uns die Versöhnerfigur Berggruen kosten lassen?", fragt die Biografie "Heinz Berggruen - Leben und Legende". Auf 452 Seiten versucht die Autorin Vivien Stein den Mäzen vom Sockel zu stoßen. Wirklich neue Fakten bietet Stein nicht. Sie interpretiert aber die Person Berggruen als schlitzohrigen Geschäftsmann und Steuervertuscher, der für seine Vorteile in Berlin bewusst die "Judenkarte" gespielt habe. "Er hat dem sehr zugespielt", sagt Vivien Stein. "Wenn ich das höre als Deutscher, dass ein Jude nach Berlin kommt und sagt, 'endlich wieder deutsche Sprache', dann bewegt das etwas in mir. Das Publikum wurde genauso in die Irre geführt wie wahrscheinlich die Presse und zum Teil auch die Politik."
Es ist ein wütendes Buch und rührt Deutschland auf. Da wird ein Ehrenbürger Berlins posthum demontiert. Die andere Frage lautet: Hat die Berliner Kulturpolitik sich tatsächlich über den Tisch ziehen lassen, weil es damals so gut ins Image passte? "Man hat Berggruen nicht hofiert", sagt Michael Naumann, der ehemalige und erste Kulturstaatsminister Deutschlands. "Er war kein Fürst. Sondern man hat ihm ein Angebot gemacht, das er nicht verweigern konnte. Die Absicht war klar, und zwar diese Sammlung nach Berlin zu bringen. Das war auch vernünftig." Klaus-Dieter Lehmann, der ehemalige Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: "Ich beurteile ihn noch so, wie ich ihn bis 2007 beurteilt habe, nämlich als großzügig. Berggruen hat eine wunderbare Sammlung nach Berlin gebracht und war ein fairer, witziger, intelligenter Mensch."
Nie mit einem Berliner Kulturpolitiker gesprochen
Vivien Stein zeigt uns, wie akribisch sie Fakten zusammengetragen hat, um ein anderes Bild von Berggruen zu zeichnen. Allerdings hat sie nie mit einem der Berliner Kulturpolitiker gesprochen. Trotzdem: Sie wolle entlarven, wie viel Privilegien einer genoss, der Berlin - so wie sie es nennt - "Lagerbestände" verkauft habe. "Das, was er nach Berlin brachte, war das, was im Moment auf Lager war", so Stein. "Es gab schon ein paar Stücke, die er sehr lange hatte, aber dazwischen war das, was kam und ging. Zum Beispiel einen Klee hat er, nachdem er das Metropolitan Museum beschenkt hat, verkauft und wieder verkauft. Das ist nicht das, was ein Sammler tut. Er hat den pensionierten Kunsthändler gespiegelt, um als Sammler ohne Betriebskosten, ohne Steuer, Kunsthandel zu betreiben."
Tatsache ist: 53 Millionen Mark hat Berlin für diese Bilder bezahlt, 200 der Bund. Stein zweifelt daran, ob es externe Schätzungen gegeben habe. Die Berliner hätten sich nicht richtig beraten lassen. Da gibt es Widerspruch. "Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass ohne unabhängige Schätzungen gekauft wurde", sagt Stefan Koldehoff, Kunstmarkt-Experte beim Deutschlandfunk. "Da hätte der Bundesrechnungshof nicht mitgespielt." Dazu Michael Naumann: "Erstens war es ein ganz normales Geschäft. Zweitens zu äußerst vorteilhaften Bedingungen für die Bundesrepublik, für Berlin und für die Stiftung 'Preußischer Kulturbesitz'. Wenn Sie die Sammlung anschauen, die seiner Zeit schätzungsweise auf über eine Milliarde Mark geschätzt worden ist, und vergeichen mit den Preisen, die derzeit auf dem Kunstmarkt vorherrschen, würde ich sagen, ist diese Sammlung das Gleiche in Euro, also das Doppelte wert."
Antiesmitische Klischees -Stein sagt nein
Wer ist diese Vivien Stein, die so etwas schreibt? Ihre jüdischen Eltern emigrierten nach New York. Das Buch ist ihre erste Publikation. In Paris arbeitet sie für die Non-Profit-Organisation "International Astronomical Union". Dass sie in ihrem Buch antisemitische Klischees bediene, weist sie entschieden zurück. "Dadurch, dass er in bestimmten Abständen immer wieder die Koffer gepackt hat, gelang es ihm, Sachen hinter sich zu lassen und sich neu zu erfinden", sagt Vivien Stein. "Jetzt wird von der Presse behauptet, das sei eine typisch jüdische Eigenschaft. Das sage nicht ich, das sagt die Dame in der 'FAZ' und im 'Tagesspiegel' und ich glaube, es war auch noch die 'BZ'. Ich finde, sie sollten das Buch mal alle lesen und nicht nach vier Stunden solche Schnellschüsse abfeuern."
Was also ist dran an diesem Versuch der Demontage eines Denkmals? Möglicherweise war Heinz Bergruen nicht der Heilige, als den ihn Deutschland bislang gefeiert hat. Doch was ändert das? Das Verhältnis zwischen Sammler und öffentlicher Hand ist kompliziert und die Geschichte reich an Beispielen, in denen Sammler die öffentliche Hand unter Druck gesetzt haben. "Wir sitzen hier in Köln und da gibt es das Wallraf-Richartz-Museum, das umgenannt wurde, weil ein privater Sammler etwas geschenkt hat", so Stefan Koldehoff. "Das ist leider die Regel geworden. Bei Berggruen war das sicherlich anders." Da bleibt die Frage, warum kaufte Berlin so schnell im Jahr 2000, obwohl gerade die Dauerleihgabe bis 2016 gesichert war? Es hätte doch keine anderen Interessenten gegeben, sagt Stein.
Bitterer Nachgeschmack
Michael Naumann widerspricht: "Berggruen hatte seine Sammlung auch der Regierung Kohl angeboten. Sie hatten das abgelehnt. Und dann kam dieses Angebot an die Bundesregierung zurück. Ich war zuständig. Ich habe Gerhard Schröder dann in das Museum geführt. Und Herr Schröder schickte mir dann über den Kabinettstisch einen Zettel zu und da stand dann drauf, 'Michael du kriegst deine Millionen'".Heinz Bergruen kann uns seine Sicht nicht mehr erklären. Das bleibt als bitterer Nachgeschmack bei einem Buch, das - mit weniger Furor geschrieben - eine aufschlussreiche Sittengeschichte des Kunsthandels hätte werden können.
Quelle:http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/158571/index.html

Regionale PRINT 1:

 

Zitat aus :

 

Mr. Möchtegern = Nicolas Berggruen

 

Von Amann, Susanne; Böll, Sven; Dettmer, Markus; Knöfel, Ulrike

 

"Es gibt Menschen in Deutschland, die nicht sonderlich überrascht sind von dem rapiden Ansehensverlust, den Nicolas Berggruen gerade erlebt. Das sind Leute, die geschäftlich mit ihm zu tun hatten. "Es war noch nie das Geschäftsmodell von Berggruen, ein hohes eigenes Risiko einzugehen", sagt ein Anwalt. Er versuche, wenig zu bezahlen und viel herauszuholen. "Die Menschen, die davon betroffen sind, sind ihm egal, er ist nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht."Anders geht es wohl auch nicht, ein derartiges Vermögen anzuhäufen. In knapp 30 Jahren hat er es zu einem Vermögen von über 2,5 Milliarden Dollar gebracht."

 

Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-98090980.html

 
http://www.tagesspiegel.de/kultur/zur-person-zur-person/8479852.html

ZUR PERSON ZUR PERSON

 11.07.2013 00:00 Uhr

 

Nicolas Berggruen,

1961 in Paris geboren, ist deutsch-amerikanischer Finanzinvestor.

Er geriet hierzulande wegen des Kaufs des insolventen KarstadtKonzerns in die Schlagzeilen, betreibt aber

seit 2009 auch das

Nicolas Berggruen Institute on Governance.

In dem Think Tank, der die Politik berät, denken ehemalige Spitzenpolitiker, Unternehmer und Wirtschaftswissenschaftler über die Zukunft der Demokratie und die globalen Machtverschiebungen nach. Mit Hilfe von Gerhard Schröder gründete er 2011 außerdem

den Council on the

Future of Europe.

 

Nicolas Berggruen,

dessen Vermögen auf

2 Milliarden Dollar

geschätzt wird, ist der Sohn des Kunstsammlers Heinz Berggruen, dessen Schätze im gleichnamigen Museum in Berlin-Charlottenburg versammelt sind.

 

 

 

Nicolas Berggruen

Net Worth
$ 2 B Ab September 2013
Auf einen Blick
  • Alter: 52
  • Quelle des Reichtums: Investitionen, geerbt und wächst
  • Wohnort: Beverly Hills, CA
  • Land der Staatsangehörigkeit: USA
  • Ausbildung: Bachelor of Arts / Science der New York University
  • Familienstand: Single
Forbes Listen
  • Nr. 206 im Jahr 2012
http://www.tagesspiegel.de/kultur/reaktionen-auf-berggruen-biografie-ein-denunziatorisches-werk/5832078.html

Reaktionen auf Berggruen-Biografie

 

"Ein denunziatorisches Werk"

 13.11.2011 17:30 Uhr
Von Michael Naumann

Eine Biografie über Heinz Berggruen will den Ehrenbürger Berlins als Aufschneider und Schwindler entlarven. Ex-Kulturstaatsminister Michael Naumann findet in dem Buch antijüdische Klischees wieder. Ein Gastbeitrag.

Heinz Berggruen 2007 in der Picasso-Ausstellung in seinem Museum. Foto: dpa
Heinz Berggruen 2007 in der Picasso-Ausstellung in seinem Museum. - Foto: dpa

Der Kunstsammler und Kunsthändler Heinz Berggruen (1914–2007) war in den späten neunziger Jahren nach Berlin zurückgekehrt, in seine Geburtsstadt, die er 1936 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten verlassen hatte. Im Jahr 2000 erwarben Bund und Land seine Sammlung und gründeten das Museum Berggruen in Charlottenburg. Heinz Berggruen ist Ehrenbürger Berlins. Nun will eine in einem Schweizer Verlag erschienene Biografie (Vivien Stein: „Heinz Berggruen. Leben & Legende“) den jüdischen Emigranten als Aufschneider und Schwindler entlarven. Die Sache schlägt Wellen.

Hier gehen der frühere Staatsminister im Bundeskanzleramt Michael Naumann und Klaus-Dieter Lehmann, seinerzeit Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, auf den Fall ein, den die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Rezension des Buchs ein „Sittenstück“ nennt.

Den kleinen Zettel Gerhard Schröders, den mir sein Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier Ende des Jahres 2000 über den Kabinettstisch zuschob, besitze ich noch: „Du bekommst die Millionen.“ Genauer: Es waren 200 Millionen DM für den Erwerb der Sammlung Heinz Berggruen; hinzu kamen 53 Millionen DM aus Berliner Lottomitteln. So ging die erlesene Sammlung klassischer Moderne – vor allem Picasso, Matisse, Klee und Giacometti – in den Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz über. Vergleichbares in ähnlicher Dichte und ästhetisch gleich hoher Qualität fand sich in keinem anderen deutschen Museum. Wer die Kunstwerke im Stülerbau in Charlottenburg anschaut, blickt zugleich in die Geschichte seines Sammlers mit einem schier absoluten Geschmack.

Geschätzt war der Gesamtwert seinerzeit auf rund eine Milliarde Mark. Angesichts der gegenwärtigen Preisexplosionen auf dem Kunstmarkt darf man inzwischen Euros in gleicher Höhe ansetzen. Vertraglich vom Kauf ausgeschlossen waren mehrere Bilder Cézannes und van Goghs, die Berggruen später versteigerte – mit dem Erlös ergänzte er unter anderem die Berliner Sammlung. Der Rest des Geldes ging an seine vier Kinder, unter ihnen der Kunsthistoriker Olivier Berggruen und der Investor (und spätere Karstadt-Besitzer) Nicolas Berggruen.

Vier Jahre nach seinem Tod glaubt eine Autorin namens Vivien Stein herausgefunden zu haben, dass Heinz Berggruen ein lebenslanger Steuervermeider gewesen sei, dem man allerdings nichts nachweisen konnte. Ihr denunziatorisches Werk, erschienen in einem Verlag namens „Edition Alpenblick“ in Zürich, strotzt von Insinuationen. So sei Berggruens Schenkung von Klee-Bildern an New Yorks Metropolitan Museum wohl eher eine Art Steuernachzahlung gewesen. Wohl eher nicht: New Yorks Steuergerichtsbarkeit ist mit Dotationen nicht zu erweichen. Beweise führt die Autorin nicht an. In Deutschland hingegen habe Berggruen „die Judenkarte“ gezogen. Es war aber die Picasso-Karte.

Eine auffällig unangenehme Rolle in ihrem Buch spielt der Verweis auf das Judentum des Sammlers. In der „Süddeutschen Zeitung“ vom 12./13. November ging der Rezensent Stephan Speicher einen Schritt weiter: „Das Sittenstück Berggruen“ – ja, das „Sittenstück“ – „ist es wert, betrachtet zu werden. Merkwürdig, dass ein Jude, der sich in Amerika, Frankreich, England und der Schweiz nie als solcher verstanden hatte, mit einem Mal zum Repräsentanten der historischen Opfer wurde. Es war ihm nicht wohl dabei.“

Ob sich ein Deutscher, der 1936 seiner mörderischen rassistischen Heimat entflieht, als Jude – und zwar als verfolgter Jude – gefühlt hat oder nicht, spielt aber insofern keine Rolle, als es fast immer die Nichtjuden sind, die einem Juden erklären, wer er sei. Und normalerweise ist dem Betroffenen niemals „wohl dabei,“ ob in Amerika oder in Deutschland

Was also soll das Buch bewirken? Ein Zeuge der Autorin ist der von ihr geschätzte Berliner Kunsthändler Bernd Schultz. Als sich Heinz Berggruen seinerzeit entschloss, nicht ihn, sondern ein anderes Auktionshaus mit der Versteigerung jener Cézannes und van Goghs zu beauftragen, verschickte Schultz einen unerhörten und üblen Brief an Berliner Freunde und Bekannte, in dem er Berggruen der Geschäftemacherei beschuldigte – wohl, weil er das Geschäft nicht selbst betreiben konnte. Später, in der berühmten Restitutionsdebatte um das Berliner Kirchner-Bild, durfte man einen Artikel aus seiner Feder in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ lesen: „Sie sagen Holocaust und meinen Geld.“ Nicht viel anders sieht das die „SZ“: „Der Kunstsammler und Weltbürger Heinz Berggruen wurde als Integrationsfigur der Berliner Republik verehrt. Aber er hat im Grunde immer seine eigenen Geschäfte verfolgt.“

Dieses „Aber“ hat es in sich. Soll wohl heißen: Ja, so sind sie eben, im Grunde, die Juden, und wenn man sie nicht daran hindert, machen sie immer weiter. Im Grunde. Am besten, man gibt den vier Erben die Sammlung Berggruen zurück. Allerdings zum Marktpreis, denn dumm sind wir auch nicht, wir kunstsinnigen, kunstschützenden und geschichtsverdrängenden Germanen.

Michael Naumann ist Chefredakteur von „Cicero“. Von 1998 bis Ende 2000 war er Staatsminister für Kultur im Kanzleramt.

 

 

 

 

 

 

Heinz Berggruen: Leben & Legende

 

Kurzbeschreibung

Als Heinz Berggruen Anfang 2007 mit 94 Jahren starb, wurde er in Berlin wie ein Staatsoberhaupt verabschiedet: Alle Medien des Landes würdigten ihn als Mäzen und „Museumsstifter“, als „Monument der Versöhnung“ und „moralische Instanz“.

Mit 22 in die USA ausgewandert, kam der Sohn eines jüdischen Schreibwarenhändlers 60 Jahre später als international erfolgreicher Kunsthändler wieder und brachte eine legendäre Sammlung mit, die er im Jahr 2000 dem deutschen Staat als „Geste der Ver-söhnung“ übereignete. Es war, wie die FAZ schrieb, „der größte staatliche Kunsterwerb seit Fürstenzeiten“.

Unzählige Artikel sind über ihn verfasst worden, und zumal er selbst einige autobiographische Werke hinterließ, scheint bereits alles bekannt. Und doch blieb Wesentliches ungesagt, und es gibt von und über Heinz Berggruen noch vieles zu entdecken.

 

 

 

 

Cover: Heinz Berggruen

 

© ap

http://www.tagesspiegel.de/kultur/nicolas-berggruen-und-karstadt-der-fall-des-messias/8410976.html

Nicolas Berggruen und Karstadt

 

Der Fall des Messias

 27.06.2013 15:55 Uhr
von

Nicolas Berggruen galt in der Karstadt-Krise als Retter. Sein jungenhafter Charme garantierte ihm eine Publicity, die deutsche Privatinvestoren sonst meiden. Er wurde zum Helden der Wirtschaftspresse – bis sie bemerkte, dass er „nur ein Investor“, tendenziell eine „Heuschrecke" ist. Michael Naumann blickt auf eine rätselhafte Verdammung.

Entzauberter Investor. Nicolas Berggruen auf einer Karstadt-Demonstration. Foto: picture alliance / dpa
Entzauberter Investor. Nicolas Berggruen auf einer Karstadt-Demonstration. - Foto: picture alliance / dpa

Seit mehr als einem Jahrzehnt haben private Investoren aus den Vereinigten Staaten, Russland, den Emiraten oder Großbritannien hunderte Milliarden Dollar in Deutschland angelegt. Unter ihnen fanden sich „Heuschrecken“ wie der Investmentmanager Montgomery, der allerdings mit seinem Versuch scheiterte, einen deutschen Medienkonzern aufzubauen. Doch die meisten dieser Investitionen addierten sich zu sinnvollen Verstärkungen der deutschen Volkswirtschaft. Natürlich sollten sie Gewinne erzielen. Deutsche Großunternehmen und Investoren legten ihrerseits Milliarden Euro nicht nur in den USA, China oder Südamerika an. Nicht immer zu ihrem Vorteil, wie der Fall Thyssen-Krupp in Brasilien belegt – Riesenverluste eines Stahlwerks mitsamt dazugehörigen Entlassungen waren die Folgen.

Vor den Essener und Duisburger Toren des Konzerns sah man allerdings keine IG-Metall-Demo für ihre brasilianischen Kollegen. Die heftigsten Demonstrationen beschränkten sich auf die Proteste der Kleinanleger des Konzerns.

Als der Amerikaner mit deutschem Pass, Nicolas Berggruen, 2010 die Karstadt Warenhaus GmbH für einen Symbolpreis nebst einer Kreditgewährung von über 60 Millionen Euro kaufte, war die Warenhauskette der Muttergesellschaft Arcandor pleite. Vor einem Kölner Gericht werden immer noch Vorwürfe wegen sogenannter „Pflichtverletzungen“ des Arcandor-Managements verhandelt.

 

Nicolas Berggruen wurde in der Öffentlichkeit wie der sprichwörtliche reiche Onkel aus Amerika begrüßt. Sein Vater, der Kunstsammler und Remigrant Heinz Berggruen, hatte Berlins Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Jahr 2000 seine eminente Sammlung klassischer Moderne zu einem Viertel ihres damaligen Schätzpreises überlassen. Der Charme des jungenhaft wirkenden Sohns garantierte ihm eine Publicity, die deutsche Privatinvestoren sonst meiden. Er wurde zum Helden der Wirtschaftspresse – bis sie bemerkte, dass er, um Gottes willen, „nur ein Investor ist“, tendenziell eine „Heuschrecke“.

Die schwer angeschlagene Warenhauskette war nach dreijähriger Sanierungsphase wie der ganze deutsche Einzelhandel in die nächste Krise geraten, und nun sei es an Berggruen persönlich, in die 114 Waren- und Sporthäuser, die 2011/12 einen Verlust von knapp 250 Millionen bilanzierten, zu re-investieren. Gefragt ist „frisches Geld aus der Kasse des immer wieder als „Milliardär“ vorgestellten ehemaligen Heilsbringers. Die FAZ rief ihm zu, er könne nicht „im Dunkeln tun und lassen, was er will“. Das verwunderte ihn; Karstadt, so musste er feststellen, „scheint den Deutschen zu gehören“, wie einst die Marke Löwenbräu den Bayern. Was ja historisch nicht ganz falsch ist, da nach 1933 dem gesamten deutsch-jüdischen Spitzenmanagement der Warenhauskette gekündigt wurde, von der Arisierung des Eigentums jüdischer Grundbesitz-Kommanditisten der AG ganz abgesehen. Ja, 1945 war Karstadt „judenfrei“.

Als Berggruens Karstadt-Vorstand Andrew Jennings (der zum Jahresende aufhört) ankündigte, den Tarifvertrag der Angestellten für zwei Jahre auszusetzen, weil der Konzern sonst in finanzielle Schieflage geraten könnte, fuhr Berggruens Publicity-Aufzug in den Keller. Als hätte es ähnlich schmerzliche Rettungsaktionen hierzulande nie zuvor gegeben, Kurzarbeit inklusive. Plötzlich figurierte der Investor als „entzaubert“ – als wohnte dem Kapitalismus a priori ein Zauber inne.

Berggruens politischer Aktivismus (er finanziert nach amerikanischer Manier einen Think Tank) geriet ihm zum Vorwurf. Der Think Tank scheint eine Konsequenz seiner Erfahrungen mit dem völlig entgleisten demokratischen Prozess in seiner hoch verschuldeten Heimat Kalifornien zu sein. Berggruens ungewöhnliche Art, nur in Hotels zu wohnen, das zweifellos komplexe Labyrinth seiner Firmenkonstruktion – dies alles reichte hin, um aus der Lichtgestalt einen Beelzebub zu machen. Irgendetwas muss es schon sein, das er falsch macht. Zum Beispiel, dass er den Tarifvertrag nicht automatisch verlängert, auch wenn bei einer Verlängerung wohl eine Reihe von Warenhäusern schließen müsste. Soll er der Gewerkschaft Verdi dann die Entscheidung überlassen, welche es sein sollen? Und wie würde Verdi reagieren, käme es zu einer Fusion mit der stabileren Kaufhof-Gruppe? Wie viele der 20 000 Karstadt-Arbeitsplätze blieben dann übrig?

Nicolas Berggruen und seine gesamte Familie haben dem erweiterten Berliner Berggruen-Museum in Charlottenburg Dutzende bedeutende Kunstwerke der klassischen Moderne als Leihgabe überlassen. Dem „Spiegel“ missfällt das, und er spekuliert über verdeckte Raffgier: „Ihre Werke werden gut gepflegt, kunsthistorisch aufgearbeitet und wie nebenbei wirkt sich die museale Umgebung außerordentlich wertsteigernd aus.“ Ein billiges, sinnloses Argument: Die großen deutschen Museen haben minimale Anschaffungsetats und glänzen alle auch dank privater Leihgaben. Und was die Wertsteigerung betrifft, gehorcht der Kunstmarkt anderen, bisweilen bizarren Gesetzen als den Klischees der guten alten Kapitalistenschelte. Dass eine ganze Familie in Sippenhaft wegen der Karstadt-Krise genommen wird, ist ein anderes Kapitel.

Als sich kürzlich vor dem Museum eine Verdi-Demonstration einfand, um Nicolas Berggruen zur Rede zu stellen (und er stellte sich zur Rede), rief ein junger Demonstrant „Kunst für alle!“ Befragt, ob er schon einmal in dem Museum gewesen sei, schüttelte er den Kopf. Den Berggruen-Kritikern sei ein Besuch empfohlen. Sie werden sich wundern – vielleicht sogar über sich selbst. Dazu sind Museen schließlich auch da.

Michael Naumann, 71, ist Verleger, Publizist und Politiker. Von 1998 bis 2001 war er Deutschlands erster Kulturstaatsminister. Er ist Direktor der gerade entstehenden Berliner Barenboim-Said-Akademie.

 

http://www.tagesspiegel.de/berlin/berggruen-kauft-ein/8715590.html

Berlin  Berggruen kauft ein

 30.08.2013 00:00 Uhr
von

Areal am Südkreuz und Pelikan-Haus erworben.

Nicolas Berggruen hat in Berlin wieder eingekauft: Zum einen erwarb er in Kreuzberg das historische Pelikan-Haus. Außerdem übernimmt seine „Nicolas Berggruen Holdings GmbH“ zum 1. November ein riesiges Gelände an der Naumannstraße in Schöneberg von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Zu den weiteren Plänen will sich das Unternehmen noch nicht äußern. Nur so viel wird verraten: Es soll dort ein Zentrum für die Kreativbranche entstehen. Auf dem 80 000 Quadratmeter großen Areal stehen zur Zeit Gewerbebauten mit einer Gesamtfläche von rund 35 000 Quadratmetern. Berggruen hat das zentral am Südkreuz gelegene Gelände bereits im Mai für 17,5 Millionen Euro erworben, es ist bislang aber noch nicht offiziell auf ihn umgeschrieben.

Derzeit sind Tischler, Weinhändler, Künstler, Büros und ein Spediteur auf dem Gelände; gut die Hälfte der Gewerbeflächen steht leer. Die Mieter zahlen extrem niedrige Gewerbemieten von drei bis vier Euro pro Quadratmeter. Allerdings hat die Bundesanstalt als bisherige Eigentümerin nicht investiert, was man sieht. Das dürfte bald anders werden.

Das Areal schließt sich östlich an die Wohnblocks an der Naumannstraße an. Eben erst hat eine Sozialstudie des Bezirksamtes erbracht, dass renditeorientierte Investoren zunehmend in dieser Gegend einkaufen. Berggruens Projekt scheint das zu bestätigen. Es sei ein „schwieriges, aber spannendes Gelände“, heißt es in der Holding.

„Der gültige Bebauungsplan sieht hier nur Gewerbeflächen vor“, sagt die zuständige Stadträtin Sybill Klotz (Grüne). Wohnbebauung sei also nicht möglich, das wisse der Käufer. Der Bezirk sei an dem Verkauf nicht beteiligt gewesen.

Das allerneueste Schmuckstück in Berggruens Sammlung ist das Pelikan-Haus an der Ritterstraße in Kreuzberg. Das 1905 fertiggestellte neoklassizistische Gebäude hat eine säulengeschmückte Sandsteinfassade. Der Investor erwarb das denkmalgeschützte Haus kürzlich aus Privatbesitz.

Seit er 25 ist, investiert Berggruen weltweit in Unternehmen und Immobilien. In Berlin und Potsdam hat er seit 2005 rund 370 Millionen Euro in rund 100 Immobilien gesteckt. Fatina Keilani

 

 

 

 

 

 

Nicolas Berggruen Mr.Karstadt greift nach der Roten Insel

Roten Insel

Michael Haack (2. v. l.) mit Mitarbeitern: Die Zehn-Mann-Werkstatt zieht in die Papestraße jenseits der Eisenbahn um.
Michael Haack (2. v. l.) mit Mitarbeitern: Die Zehn-Mann-Werkstatt zieht in die Papestraße jenseits der Eisenbahn um.
Schöneberg –  

Das Gewerbegebiet Naumannstraße auf der „Roten Insel“ wird sein angestammtes Gewerbe los. Mehrere „Schrauber“ und „Lacker“ des Kfz-Gewerbes klagen, dass Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen sie vor die Tür setzen wolle. Er hatte die 80.000 qm vom Bund gekauft, übernimmt sie zum 1. November.

Mieter sagen: Die Mitarbeiterin einer Hausverwaltung, die für die „Berggruen Holdings“ tätig ist, ist übers Areal gezogen und hat uns angekündigt, dass dann Kündigungen folgen werden.

Nicolas Bergguen
Nicolas Bergguen
Foto: dpa

Kfz-Meister Michael Haack (53) äußert sich als einziger offen: „Wir müssen zum zweiten Mal binnen zweieinhalb Jahren umziehen, weil der Bund das Gelände verkauft, auf dem wir Mieter sind.“ Die anderen begründen ihr Schweigen mit ihrer unsicheren Situation. Einer sagt: „Ich habe mich umgesehen, fand auch was. Aber ich müsste fast 5000 Euro im Monat zahlen. Unmöglich.“

Gewerberaum in der Innenstadt sei begehrt, stellt die IHK fest: „Der klassische Hinterhofmechaniker, der auf begrenzte Fixkosten angewiesen ist, bekommt dadurch Konkurrenz.“ Das könne dazu führen, dass er einem stärkeren Verdrängungsdruck ausgesetzt ist.

Berggruens Holding erklärte, man wolle niemandem kündigen. Wer jetzt gehe, gehe aus freien Stücken. Der Bund biete auch Ersatz an. „Wir sprechen gegenwärtig mit allen Mietern über den Ist-Zustand und über Verbesserungen, die wir für den Erhalt der heruntergekommenen Gebäude investieren müssen.“

Die bislang vom Bund verlangten Mieten seien aber mit 2,50 oder 3 Euro / qm dafür zu niedrig. Man strebe 5 Euro an, um ein gesundes, zu 100 statt zu 60 Prozent ausgelastetes Areal zu erreichen. Das soll mit Firmen der Kreativwirtschaft und Start-Ups geschehen, 1100 Quadratmeter seien für 27 Ateliers vorgesehen. GL

 

Quelle:http://www.berliner-kurier.de/kiez-stadt/nicolas-berggruen-mr--karstadt-greift-nach-der-roten-insel-,7169128,24068636.html

 

Wirbel auf der Insel

Von Karin Schmidl
 
 
 
Milliardär Nicolas Berggruen.
Milliardär Nicolas Berggruen.
Foto: dpa
Berlin –  

Der Milliardär Nicolas Berggruen hat wieder eingekauft, dieses Mal das Gewerbegebiet Naumannstraße in Schöneberg. Der Besitzerwechsel verursacht reichlich Wirbel. Es geht um Mieterhöhungen und neue Verträge. Wer sich wehrt, bekommt Ärger.

Seit zehn Jahren arbeiten Sibylle und Lothar Kempe in ihrer Schreinerwerkstatt. Diese befindet sich im Gewerbegebiet Naumannstraße zwischen S-Bahntrasse und Gründerzeit-Wohnhäusern in Schöneberg. Zu ihren Nachbarn zählen unter anderem eine Schlosserei, ein Containerverleih, eine Spedition sowie mehrere kleinere Kfz-Betriebe. Auch Künstler haben dort Ateliers, Lager oder Ausstellungsräume gemietet. Einzelne Betriebe sind dort schon seit den 1930er-Jahren etabliert.

Doch seit Kurzem herrscht Unruhe auf dem Gelände. Denn der bisherige Eigentümer, die bundeseigene Anstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hat das 80.000 Quadratmeter große Areal verkauft.

Kaufrausch

Nicolas Berggruen machte 2010 als Karstadt-Retter Schlagzeilen. Versprochene Investitionen blieben jedoch bislang aus. Die Holding des US-amerikanischen Milliardärs ist seit 2005 am Markt aktiv. Sie besitzt mehr als 100 Immobilien in Berlin.

In Friedrichshain-Kreuzberg gehören dem Unternehmen die meisten Immobilien. Außer in Marzahn-Hellersdorf und Spandau ist sie in allen Bezirken vertreten. Ihr gehören Wohnhäuser denkmalgeschützte Gewerbehöfe und ehemalige Industriegebäude.

Nicht immer dürfen die Mieter bleiben. So mussten aus einem Fabrikgebäude der Holding in Friedrichshain Bildungseinrichtungen raus, weil das Haus für Zalando umgebaut wird.

Neuer Besitzer ist die Holding von Karstadt-Besitzer und Milliardär Nicolas Berggruen. Am 1. November ist die offizielle Übergabe, doch schon jetzt sind Vertreter des neuen Eigentümers auf dem Gelände unterwegs. Und verursachen einigen Wirbel unter den etwa 50 Mietern. Es geht um Mieterhöhungen und neue Verträge. Wer diese nicht akzeptiert, muss gehen.

„Uns wurde ein Mietvertrag angeboten, der eine Steigerung von 60 Prozent beinhaltet“, sagt Schreinerin Sibylle Kempe. Was erst mal ungebührlich hoch klingt, betrachtet man die Zahl allein. Doch die bisherigen Mieten auf dem Gewerbegelände lagen zwischen zwei und vier Euro nettokalt. Was für innerstädtische Gewerbemieten ungewöhnlich niedrig ist. Die Bima hat sich allerdings kaum um das Gebiet gekümmert, die Gebäude sind marode, der Leerstand ist hoch. Die Kempes haben das Berggruen-Angebot akzeptiert, obwohl es schwer werde, über die Runden zu kommen: „Aber wenn es jetzt hier attraktiver wird, kann es nur gut für alle sein“, sagt Sibylle Kempe. Für alle, die bleiben können. Und die bleiben dürfen. Denn einigen Mietern, kleinen Autoschraubern etwa, seien gar keine Verträge angeboten worden. Wird also ausgesiebt im Imperium von Nicolas Berggruen?

Natürlich nicht, heißt es bei der Holding. „Wir wollen niemanden kündigen“, versichert Sprecherin Ute Kiehn. Jedoch seien Mieten von zwei, drei Euro viel zu niedrig, um das Gelände in Ordnung zu bringen. Fünf Euro pro Quadratmeter müsse man dafür schon aufrufen. „Allein für die Reparatur von Dächern, der Elektrik und der Einfriedung sind drei Millionen Euro nötig.“ Geplant sei eine Quartier für Kunst und Kreative. 1100 Quadratmeter sind an die Gesellschaft für Stadtentwicklung GSE vermietet. 27 Künstlerateliers sollen dort entstehen, der Bundesverband Bildender Künstler übernimmt die Verteilung.

Im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg ist man froh, dass sich an der Naumannstraße etwas tut. Jedoch, so sagt Sibyll Klotz (Grüne), Stadträtin für Stadtentwicklung: „Wir werden die Entwicklung sehr aufmerksam begleiten.“ Man müsse aufpassen, dass kleine Gewerbetreibende dort nicht verdrängt werden. „Das Gelände ist laut Bebauungsplan als Gewerbegebiet vorgesehen und dabei bleibt es“, so die Stadträtin.

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Kaufrausch

Nicolas Berggruen machte 2010 als Karstadt-Retter Schlagzeilen. Versprochene Investitionen blieben jedoch bislang aus. Die Holding des US-amerikanischen Milliardärs ist seit 2005 am Markt aktiv. Sie besitzt mehr als 100 Immobilien in Berlin.

In Friedrichshain-Kreuzberg gehören dem Unternehmen die meisten Immobilien. Außer in Marzahn-Hellersdorf und Spandau ist sie in allen Bezirken vertreten. Ihr gehören Wohnhäuser denkmalgeschützte Gewerbehöfe und ehemalige Industriegebäude.

Nicht immer dürfen die Mieter bleiben. So mussten aus einem Fabrikgebäude der Holding in Friedrichshain Bildungseinrichtungen raus, weil das Haus für Zalando umgebaut wird.

 

 

 

Quelle:http://www.berliner-zeitung.de/bezirke/gewerbegebiet-in-schoeneberg-verkauft-wirbel-auf-der-insel,10809310,24143096.html

 

 



 

Schöneberg. Voraussichtlich ab 1. November gehört das rund 80 000 Quadratmeter große Gewerbegebiet zwischen Naumann- und Wilhelm-Kabus-Straße dem Investor Nicolas Berggruen. Unter den Gewerbetreibenden macht sich Angst breit. Denn sie sollen offenbar deutlich mehr zahlen - oder gehen.

"Da wird kräftig selektiert", beklagt Michael Pfaff als einer von gut 50 Gewerbetreibenden auf der Roten Insel. Er berichtet, dass Mitarbeiter der Berggruen-Holding kürzlich über das Gelände "gezogen" seien und mündliche Kündigungen ausgesprochen hätten. "Dabei gehört denen das Areal noch gar nicht", so der Lackierer und Restaurator. Tatsächlich scheint der Investor nicht nur die Mieten deutlich zu erhöhen: Einige Gewerbetreibenden bekommen erst gar keinen neuen Mietvertrag. Mehrdad Mehrzad etwa, seit rund 20 Jahren als Autoschrauber auf dem Gelände, soll gehen. "Ich wäre mit einer höheren Miete einverstanden", versichert er. Aber man habe ihm mitgeteilt, dass er nicht zum neuen Konzept passe. Der Großteil der Mieter hat nur kurzfristige Verträge mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten.

Der Bundesrat muss der Übernahme des Geländes durch die Berggruen Holding noch zustimmen. Bisher gehört es dem Bund und wird von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) verwaltet. Wenn für den neuen Investor alles glatt läuft, kann er das Gewerbegebiet zum 1. November übernehmen. Sein Unternehmen kündigt an, hier einen Kreativstandort entwickeln zu wollen. Dafür würden beispielsweise allein 1100 Quadratmeter an die gemeinnützige Gesellschaft für Stadtentwicklung vermietet, die hier 27 Künstlerateliers einrichten will. Mindestens drei Millionen Euro seien allerdings zunächst nötig, um Bauten und Gelände zu sanieren, teilt die Berggruen Holding mit. Die Mieten würden deshalb von momentan zwei bis drei auf rund fünf Euro pro Quadratmeter steigen müssen.

Die vom Unternehmen vorgeschlagenen Mietverträge sprechen eine andere Sprache: Die neu berechneten Mietpreise beziehen sich dabei ausdrücklich auf den "jetzigen Zustand" der Bauten. "Und den haben wir zum Großteil auch noch selbst hergestellt", beklagt die Weinhändlerin Maike Reinders. Sie habe, wie viele andere, ihre Geschäftsräume selbst hergerichtet. "Das war vorher nur Ruine."

Bei der Berggruen Holding will man sich zur Auseinandersetzung mit den Mietern in keinem Fall öffentlich zitiert sehen. Zumindest im Schöneberger Rathaus sollen sich die Investoren allerdings erklären: Die Stadträtin für Stadtentwicklung Sibyll Klotz (Grüne) und die für die Wirtschaftsförderung zuständige Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) wollen Berggruen einladen, um mehr über dessen Pläne zu erfahren. "Die Angst der Gewerbetreibenden ist im Rathaus angekommen", so die Bürgermeisterin. Klotz möchte dem Investor bei dem Treffen klar machen, dass sie an dem bestehenden Bebauungsplan unter allen Umständen festhalten will. "Das ist Gewerbegebiet und soll es in jedem Fall auch bleiben."

Spätere Änderungen, die beispielsweise Wohnbau ermöglichen würden, seien mit ihr nicht zu machen. Beide stellen allerdings klar, dass sie keinen Einfluss auf die Mietenpolitik des Investors haben.

Die Gewerbetreibenden wollen ihr Schicksal deshalb selbst in die Hand nehmen und rufen zu einer Demo vor dem Bundesratsgebäude am Tag der ersten Sitzung nach der Sommerpause auf. Treffpunkt ist am 20. September um 8.30 an der Leipziger Straße 3-4.

 









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